Lehmdorf 2013

Kurzbericht der Lehmdorfferienfreizeit in Hupperath

„Leben ist Vielfalt“ ist ein wichtiges Thema in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. So vielfältig wie unsere Tier- und Pflanzenwelt ist, so vielfältig kann auch unser Leben, ja können unsere Lebensweisen/style, sein.

Wir sehen es als wichtig an, jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, ihre Welt mit zu gestalten und besonders an der Gestaltung ihrer freien Zeit aktiv partizipieren zu können. An der Jugendversammlung der Spielvereinigung Minderlittgen-Hupperath eV, besucht von Mitgliedern des Vereins im Alter von 7-18 Jahre, hatten diese Gelegenheit, in einem „Rundlauf- Brainstorming“ Wünsche, Erwartungen, Projektideen, Gedanken zur Welt und Gestaltungsvorschläge zur im Sommer anstehenden Ferien-am-Ort-Aktion schriftlich zu fixieren und zu artikulieren.

Aus diesem Fundus, der hervorragend war und mindestens für die Gestaltung von zwei Freizeiten reichen würde, kreierte das Orga-Team eine abwechslungsreiche Ferienfreizeit. Von den Teilis wurde es sehr wertgeschätzt, dass ihre Vorschläge aus der Jugendversammlung, die ja schon im Januar stattfand, im Juli in der Sommerfreizeit auch tatsächlich ernst genommen und realisiert wurden.

Unser Betreuer- und Helferschlüssel lag auch in diesem Jahr weit über dem üblichen Maß, was wir einerseits als sehr positiv bewerteten, zum anderen stellte es aber auch eine logistische Herausforderung dar. Eine generationsübergreifende Arbeit ist der schöne Brauch, dass Großeltern und Mütter bereits proaktiv im Herbst 2012 daran dachten, 60 Liter Apfelmus aus heimischem Obst zu kochen und uns in der Projektwoche eimerweise Reibekuchenteig für die Lehmdorfküche vorbereiteten.

Hervorzuheben war die gute kooperative Arbeit zwischen den beiden ausrichtenden Vereinen Spvgg Minderlittgen-Hupperath mit dem Musikverein Hupperath sowie die unterstützende Arbeit der FFW Hupperath, die uns mit ihren Gerätschaften den Strohballenpool und täglich die Wasserfässer füllte.

87 Kinder und Jugendliche besuchten die Ferienfreizeit. Über 40  Betreuer und junge Erwachsene  erklärten sich bereit, an 2 - 8  Tagen zu helfen. Ca. 12 Helfer waren im Background für Auf- und Abbau des Freizeitplatztes und für Materialorga zuständig.

Der Lehmdorfplatz ist in Hupperath zentral gelegen und grenzt an den Dorfspielplatz an. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Dorfpark, die Schulsporthalle (neben den Aktivitäten diente  sie als Fluchtort für etwaige Unwetter), in wenigen Gehminuten ist die Sportanlage mit Fußballfeld, Bolzplatz, Beachvolleyball, Tennisplätze und Kunstrasenfeld erreichbar. Der dorfangrenzende Wald mit Schutzhüttenplatz ist in knapp 20 Min. Gehzeit erreichbar. Diese vorteilhaften räumlichen Bedingungen erleichterten uns die Durchführung einer solch großen Ferienfreizeit sehr. Hierdurch war es uns jederzeit möglich, mit Kleingruppen spontane Spielaktionen durchzuführen,

Der Lehmdorfplatz war der morgendliche Treffpunkt für alle Teilis und Betreuer. Von hier aus begaben sich die Teilis in ihre Tagesprojekte.

Bildung ist ein Begriff, der üblicherweise primär der Schule zugeordnet wird. Dennoch haben wir, die Vereine, mit der gesamten Freizeit eine zusätzliche Bildung für eine nachhaltige Entwicklung möglich gemacht. Mit der Partizipation der Kinder- und Jugendlichen vor und während der Freizeit selbst entwickeln sie sich zu Mitgestaltern ihres eigenen Umfeldes. Eine ausgelassene Freizeitatmosphäre bei schönstem Wetter schaffte den Raum, dass Schlüsselkompetenzen, wie z.B. achtsamer Umgang mit sich selbst und anderen oder kommunikative Kompetenz, die Zuhören, sich mitteilen und ernst genommen werden beinhaltet, stärkt. Eine gute Kommunikation sehen wir als Brücke für gemeinsames Handeln und für Problemlösungen.

 

Folgende Projekte schafften Raum und Zeit, die eigene Umwelt und Lebensgrundlagen neu zu entdecken:

Mobilität-Teamspiele „Gemeinsam sind wir stark“:

-                     die moderne Schnitzeljagd: Geocaching, eigens für diese Freizeit wurde vom Förster und seiner Frau ein „Lehmdorf-Cache“ angelegt.

-                     Fußmärsche/ Wanderungen zu unterschiedlichen Projekten

-                     Mountainbiketour für die Profis

-                     Bosseln => 2 Mannschaften jagen sich mit Holzkugelwürfen im Gelände Punkte ab

-                     Skaterparkbesuch & Wasserspielplatz auf dem Petrisberg in Trier

-                     Bogenbau und Sportbogenschießen, Zielscheiben aus Stroh binden

-                     „Adventure“ Kletterpark in Mont Real

-                     Streetsoccer nach ballance 2006

-                     Wikingerspiele, sich in und mit der Gruppe erleben

-                     Floßbau- Fortbewegung auf dem Wasser, Teamspiel

-                     Wasserski und Sommerrodelbahn

Natur und Umwelt:

-                     tägliche Bauprojekte mit dem Element Erde (Lehm)

-                     ein Schiff aus Holz gebaut

-                     Spiel und Spaß an der Lieser mit Wasserexkursion (Bachflohkrebs und Co)

-                     Geocaching, begleitet von Förster Mario Sprünker (Flora und Fauna)

-                     Waldübernachtung, Schlafen unter freiem Himmelszelt, Natur mit allen Sinnen erleben (Wald riechen, spüren, hören, fühlen)

-                     Ein Tag auf dem Bauernhof „Demeter Hof-Breit“- Wo kommt unser Essen her? - Mit Übernachtung im Strohbett – Lebensgrundlagen über die Sinne erfahrbar machen- z.B. wie bekomme ich die Milch aus dem vollen Euter und wie fühlt sich eine Zitze an?)

-                     Bohnen- Wettwachsen und Kresse Köpfe

Mode und Style:

-                     Wikinger Kleidung, aus Baumwolle handgenäht

-                     Schmuckkreationen aus Papier, Filz und Perlen

-                     Filzen – Accessoires für einen schönes „Wikinger-Style“

-                     Haar- und Gürtelschnallen aus Holz gesägt

-                     Anhänger und Deko aus frischer Rinde gedreht

Ernährung:

-                     Kochprojekte unter Anleitung von Jörg und Anja (ausgebildete und aktive Köche)

-                     Kochzutaten aus dem eigenen Dorf und aus  der Region verarbeiten

-                     Brötchen und Fladen aus dem Lehmofen, alte Getreidesorten, Mehle kennenlernen

-                     Pizza backen mit Bio und Eigenprodukten von Hof Breit

Schöner:

-                     Zeit haben, sich und anderen etwas Gutes zu tun

-                     Zeit für gute Gespräche und einander zuhören

-                     Zeit für Spiele ohne vorgegebenes Material

-                     Kreative Rollenspiele mit dem, was die Örtlichkeit hergibt

-                     Motorsäge- Schnitzarbeiten, durchgeführt von Erwachsenen

-                     Zeit für Kreativangebote wie z. B. Filzen, Schmuckperlen aus Papier, Kerzenziehen mit Bienenwachs

-                     Bodypainting mit Farbe und Lehm

Kulturelles:

-                     Die Band „Pestorika“ führt uns mit selbst geschriebenen Liedtexten und einer informativen Moderation durchs Mittelalter

-                     Die Teilis spielten einfache Rhythmen auf den selbstgebauten Cajons

-                     Moderner Tanz, eingeübt von Jung-Übungsleitern

-                     He-Ho- die Wikinger kommen…… Betreuer- Gute-Laune- Lied

Es sind nicht nur die einzelnen Aktionen oder Projekte, die wir mit den Worten „besonders gelungen“ hervorheben möchten, sondern die Einstellung, dass wir Organisatoren und Betreuer als Begleiter agierten, die den Teilis den Raum boten, sich selbst, ihre Mitmenschen, ihr Umfeld zu erleben und gemeinsam mit ihnen, ihren Eltern und Mitmenschen „leben gestalten“ zu lernen.

Mit dem Thema Wikinger spannten wir einen Bogen zwischen einfachen, schlichten, aber auch oft schwierigen Lebensbedingungen und der heutigen Zeit, in der Komfort und Konsum an der Tagesordnung stehen.

Am Abschlussfest präsentierten die Teilis ihr Bauwerke, den großen Wicki, den Rundbau, das neue Holzschiff, in dem Schokofondue kredenzt wurde, das renovierte Lehmwickelhaus, „Knut“, so heißt der neue Pizzaofen, der wie ein schlafender Wikinger aussieht und der Brötchenofen, der im neuen Wikingerstyle in Form eines Helmes glänzte, waren im Einsatz.

Die weiblichen Teilis boten einen superschönen Tanz, der von ehemaligen Teilis, jetzt Übungsleiterhelfern, einstudiert wurde. Die Betreuerinnen und Betreuer schmetterten, postiert am Wikingerschiff, auf die Melodie „What shall we do with a drunken sailor…“ das Wikingerlied: „He Ho die Wikinger kommen“. Die Cajon-Trommler agierten als Vorband zu Pestorica und hatten quasi Premiere mit ihren im Lehmdorf erlernten Rhythmen. Die Band Pestorica entführte uns, wie im vergangenen Jahr mit ihren eigenen Liedtexten und Ansagen in die vergangene Welt des Mittelalters.

Bei herrlichem Sommerwetter verbrachten die Teilis mit ihren Familien, den Betreuern, der Dorfgemeinschaft und viele Interessierten einen ausgelassenen, beschwingten Abschlusstag. Im Strohballenpool fand manch einer eine willkommene Abkühlung, besonders natürlich die jüngeren Teilis und die „ganz großen Jungs“. Und wer sich immer noch nicht genug bewegt und gespielt hatte, konnte sich auf der Hüpfburg und dem Kicker des TV Dienheim auslassen oder sich an der selbstgebauten Mohrenkopfschleuder erproben.

Schon jetzt freuen wir uns auf den nächsten Sommer und eine weitere Ferien am Ort Aktion, die uns auf Wunsch einiger Kinder vielleicht in die Zukunft führt.

Hinweis: Obwohl wir in der Zeit der Wikinger verweilten, haben wir uns die modernen Medien zu Nutze gemacht und von jedem Freizeittag einen Trailer in Youtube eingestellt. Zu finden unter Arpemedia Youtube Lehmdorf Hupperath.

Berichtverfasserin: Walburga Spang

Videos aus dem Lehmdorf

Auch dieses Jahr gibt es wieder Videos aus dem Lehmdorf! Einfach auf die Links klicken:

13.07.2013 Samstag

14.07.2013 Sonntag

15.07.2013 Montag

16.07.2013 Dienstag

17.07.2013 Mittwoch

19.07.2013 Freitag

20.07.2013 Abschlussfest

Lehmdorf 2013 - Extra

Zuletzt aktualisiert am 20.11.2017 14:27 Uhr